Reiseführer Venezuela

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Caracas

Für Touristen gibt es erster Linie drei Gründe nach Caracas zu reisen:
  1. Simón Bolívar: Auf den Spuren des Befreiers die Altstadt durchstreifen. Die Liebe zu Bolívar und seiner Geschichte sollte jedoch groß genug sein, den Stress eines Caracas-Aufenthaltes im historischen Zentrum in Form von Lärm (Motoren, Hupen, Straßenverkäufer selbstgebrannter CDs), Menschenmenge, die sich ab zehn Uhr morgens durch die Straßen schiebt und leider auch einem hohen Grad an Kriminalität in Kauf zu nehmen.
  2. Das pulsierende Leben zurzeit der nun schon seit der Amtsübernahme durch Hugo Chávez (1999) anhaltende Umbruchstimmung zu einer neuen Form des Sozialismus mitzuerleben, die vor allem rund um den Plaza Bolívar lautstark und öffentlich diskutiert wird.
  3. Shoppen auf der Einkaufsstraße Savana Grande zwischen den U-Bahn-Stationen Savana Grande und Plaza Venezuela.


Caracas und Bolívar
Ende des 19. Jahrhunderts bereiste Alexander Olinda Venezuela und schilderte seine Eindrücke in dem Artikel: Frauenleben im tropischen Süd-Amerika, erschienen in: Deutsche Rundschau für Geographie und Statistik, 1898: Gegründet wurde Caracas (als Santiago de León de Carácas) 1767 von vom dem Spanier Diego de Losada. In 1000 Meter Höhe und 15 Kilometer vom Meer entfernt ließen die Kolonialherren Caracas nach dem Schachbrettmuster erbauen, wobei jeweils gleichgroße Wohnblocks oder Parkanlagen von einem Netz rechtwinklig zueinander verlaufender Straßen durchzogen sind. Aufgrund der Erdbebengefahr gab es bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert fast ausschließlich einstöckige „freundliche, saubere, mit weißem Kalk beworfene und solide aus festgestampfter Erde ausgeführte Häuser, die den Straßen ein gefälliges Ansehen gaben”. Der Kern des venezolanisches Hauses und meist genutzter Aufenthaltsort war der Innenhof (Patio), von dem aus die einzelnen Zimmer betreten wurden: Nichts Schöneres, nichts Poetischeres, nichts Herzerfreuenderes als der Patio in einem reichen südamerikanischen Hause – er ist ein Zauberreich Floras im Kleinen.

Das Zentrum der Stadt säumten „zahlreiche Läden mit eleganten Schaufenstern, die freilich nur mit ausländischen Fabrikaten gefüllt sind. Herren und Damen huldigen der Pariser Mode so gewissenhaft, wie in allen Städten Europas. Der Reisende glaubt sich daher weniger „in einer Stadt des tropischen Süd-Amerika zu befinden, sondern in eine deutsche oder italienische Stadt versetzt, denn fremdartig, exotisch mutet den Europäer kaum etwas an.

Spaziert man in den Straßen von Carácas umher, so glaubt man an einer lebenden Schönheitsgallerie vorüberzuwandeln. Junge Señoritas sitzen vor Sonnenuntergang hinter den rejas, den Fenstergittern und eröffneten mit vorübergehenden Freunden und Bekannten, auch mit Fremden, die ihnen von den ersteren vorgestellt worden, ein mehr oder minder lebhaftes Gespräch.

Heute hat der Stadtkern von Olinda beschriebenen Charme des 19. Jahrhunderts eingebüßt und zahlreiche Hochhäuser haben bis auf einige Ausnahmen den Platz der kolonialen einstöckigen Gebäude eingenommen. Einen hervorragenden Eindruck von einem typischen, rund um einen bzw. mehrere Patio(s) angelegtes Haus aber vermittelt ein Besuch des zum Museum umfunktionierten kolonialen Geburtshauses Bolívars (s. Karte Historisches Zentrum, 6).

Endgültig von der spanischen Vorherrschaft befreite Simón Bolívar Caracas im Jahre 1821. Zehn Jahre später zerfiel der Staat Großkolumbien und Caracas ist seither Hauptstadt Venezuelas. Bolívars Idee oder Traum eines vereinten Amerikas, dass dem übermächtigen Europa zunächst Paroli bieten sollte, um dann selber nach der Weltvormachtstellung zu greifen, war mit dem Ende Großkolumbiens, dass er als Zentrum seines Staates auserkoren hatte, gescheitert.

José Antonio Páez, ein kleiner, gedrungener Llanero mit Stiernacken und ehemaliger Weggefährte Bolívars, übernahm die Macht in Venezuela, bestimmte über fast 40 Jahre lang das politische Geschehen und war an der Vorstufe der Nationenbildung maßgeblich beteiligt. Bolívar selbst geriet immer mehr in Vergessenheit und erst Antonio Guzmán Blanco, der seit dem Jahr 1870 das Präsidentschaftsamt ausübte, ließ Simón Bolívar wieder auferstehen, um dem immer noch weit von einer Nation entferntem Volk eine Identifikationsfigur zu geben. In der Amtszeit Guzmán Blancos entstanden die meisten Plazas Bolívar, die heute per Vorschrift den zentralen Platz in jeder venezolanischen Stadt einnehmen und mit einer Statue des Befreiers versehen sein müssen. Auch als Modernisierer verewigte er sich einer Reihe von Gebäuden, wie dem neoklassizistischen Abgeordnetenhauses Capitolio National (s. Karte Historisches Zentrum, 1). In seine Amtszeit fiel ebenfalls der Bau der Großen Venezuela Eisenbahn durch deutsche Unternehmen. Als Venezuela nach dem Ende des Kaffeebooms zum Jahrhundertwechsel den Tilgungs-Vereinbarungen nicht mehr nachkommen konnte, entsandte der deutsche Staat unter Kaiser Wilhelm II. vier Schiffe, die, bis sie von den USA zurecht gewiesen wurden, die Hafenstadt Puerto Cabello unter Beschuss nahmen.

Seit 1999 darf Bolívar wieder vom Großreich träumen. Hugo Chávez hat das höchste politische Amt seither inne und bedient sich, wie schon Guzmán Blanco vor 130 Jahren der Figur Bolívars als Identifikationsmittel. Er propagiert seither nicht nur Bolívars Idee einer vereinten lateinamerikanischen Großmacht, sondern er hat auch den Namen des Landes offiziell in República Bolivariana de Venezuela, Bolivarische Republik Venezuela, geändert. Wer die Stimmungen, die aktuell das venezolanische Volk bewegen, miterleben möchte, kann dies hervorragend im historischen Zentrum Caracas am Plaza Bolívar tun, wo täglich einzelne Personen über Chávez, Gott und die Welt dozieren oder Gruppen aktuelle politische Ereignisse diskutieren, wie etwa die von Chávez zusammen mit Fidel Castro initiierte Gründung der Alternativa Bolivariana para las Américas (ALBA), die den wirtschaftlichen Zusammenschluss der lateinamerikanischen Staaten zum Ziel hat.



Historischen Zentrum
Wenn man Caracas unbedingt in die Urlaubsplanung einbeziehen möchte, sollte ein Besuch des historischen Zentrums um den Plaza Bolívar auf dem Programm stehen. Hier findet sich immerhin noch einige koloniale oder postkoloniale Gebäude, wie:
1 Capitolio National: Sitz des Parlaments, bereits im ersten Amtsjahr Antonio Guzmán Blancos, 1870, in Auftrag gegeben
2 Iglesia San Francisco: zum einen wurde Simón Bolívar in der Kirche San Francisco zum Libertador erklärt, zum anderen ist er in ihr beerdigt worden.
3 Iglesia Santa Capilla
4 Kathedrale
5 Casa Natal de Simón Bolívar, Bolívars Geburtshaus: hier erblickte der Libertador am 24. Juli 1783 das Licht der Welt
6 Museo Sacro de Caracas

stadtplan carcas



Bedeutung des Wortes Caracas
Caracas ist wahrscheinlich dem Begriff Caraca der Teques-Indianer, die zurzeit der spanischen Ankunft in Venezuela und Gründung der Stadt Caracas das Tal im Ávila-Gebirge besiedelten, entlehnt. Caraca bezeichnet die im Tal einst verbreitete Grassorte Fuchsschwanz (sp. amaranto).



Metroplan Caracas

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Weiterreise
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